Der Prozess der Kompostierung
Beim Anlegen eines Komposthaufens ist es entscheidend, verschiedene Ausgangsstoffe gut zu mischen: Feuchtes Material wie Küchenabfälle und frisches Schnittgut muss mit trockenen Komponenten wie strohigen Halmen, Gehölzschnitt, Sägespänen oder Pappkarton kombiniert werden. Diese Mischung stellt sicher, dass sowohl Wasser als auch Sauerstoff für den Rottevorgang vorhanden sind. Alle Materialien sollten gut zerkleinert werden, daher sollten Äste und Zweige gehäckselt oder auf maximal 7 cm Länge geschnitten werden. Gras, das gemäht wurde, muss vor der Kompostierung angetrocknet werden, um eine Vergärung und unangenehme Gerüche zu vermeiden.
Vermengen der Materialien
Kompostierung in 12 Wochen
Bereits nach wenigen Tagen beginnen zahlreiche Mikroorganismen, insbesondere Bakterien und Strahlenpilze, mit der Zersetzung des Kompostmaterials. Sie greifen zunächst leicht abbaubare Substanzen wie Eiweiße und Zucker an. Damit diese Kleinstlebewesen effektiv arbeiten können, muss das Material gut zerkleinert sein, um eine große Angriffsfläche zu bieten. Durch die entstehenden Oxidationsprozesse erwärmt sich der Kompost auf etwa 50 bis 60° C. Bei kälterem Wetter kann man diese Erwärmung daran erkennen, dass der Kompost dampft. In industriellen Kompostieranlagen können Temperaturen von über 70° C erreicht werden, wodurch schädliche Keime und Unkrautsamen abgetötet werden. Solche hohe Temperaturen werden im heimischen Gartenkompost nicht erreicht, sodass Samen und resistente Pilzsporen den Prozess überleben können.
Woche 1 bis 2
Nach der Abbauphase von ungefähr zwei Wochen hat sich der Komposthaufen deutlich verkleinert, da das Material in seine Grundbestandteile zerlegt wurde und die Temperatur wieder sinkt. Mit dem Abkühlen des Komposts übernehmen Pilze die weitere Verarbeitung der organischen Stoffe und bilden neue Humusverbindungen. Der ph-Wert sinkt durch die Anreicherung organischer Säuren im Kompost. In den folgenden Phasen des Zersetzungsprozesses sind verschiedene Gruppen von Bodenorganismen aktiv, die jeweils andere Substanzen abbauen und dadurch unterschiedliche Arten von Nahrung und Lebensräumen schaffen.
Woche 3 bis 7
In der dritten bis siebten Woche sinkt die Temperatur im Kompost allmählich auf etwa 35° C. Während in den ersten Wochen Bakterien dominieren, übernehmen nun zunehmend Pilze die Zersetzungsarbeit. Sie bauen schwer abbaubare pflanzliche Zellwandbestandteile wie Zellulose und Pektin ab. Organische Säuren werden zersetzt, was zur Freisetzung von Alkalimetallen wie Natrium und Kalium führt, wodurch der ph-Wert wieder ansteigt. Ammoniak entsteht und wird als Gas freigesetzt, während das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff enger wird. Die Temperatur im Kompostinneren bleibt in dieser Phase zwischen 30 und 45° C.
Woche 8 bis 12
Von der achten bis zur zwölften Woche nimmt die mikrobielle Aktivität ab. Hutpilze beginnen, das in Holz und verholzten Pflanzenteilen enthaltene Lignin abzubauen. Bei etwa 20° C siedeln sich vermehrt Kleintiere an, darunter Nematoden, Springschwänze, Milben, Tausendfüßler, Asseln und Kompostwürmer. Diese Organismen helfen, das Material weiter zu verkleinern und stabile Humusverbindungen zu bilden, indem sie organische und mineralische Bestandteile vermengen. Der Kompost wird zunehmend dunkler. Diese Phase dauert einige Monate an. Am Ende steht ein grober Frischkompost oder Rohkompost, der sich gut als Mulch eignet.
Umwandlung zu reifem Kompost
Die Umwandlung zu reifem Kompost benötigt mehr Zeit: Im Sommer dauert der Prozess mindestens vier Monate, während er sich im Herbst und im Winter noch weiter verlängert. Im fertigen Kompost, der angenehm nach Walderde riecht, sind die ursprünglichen Materialien nicht mehr erkennbar, abgesehen von einigen holzigen Partikeln, die ausgesiebt und erneut kompostiert werden können. Reifkompost ist ideal für den gesamten Garten, sollte jedoch zügig verwendet werden, da bei längerer Lagerung Nährstoffe durch Auswaschung verloren gehen. Auch alter Kompost eignet sich immer noch als Bodenverbesserungsmittel.
Einfluss von Außenbedingungen
Die Geschwindigkeit der Abbauprozesse variiert mit der Außentemperatur. Während der Winterkälte kommt die Rotte fast vollständig zum Stillstand, kann jedoch im Frühjahr durch Umsetzen des Komposts wieder aktiviert werden. Anzeichen dafür ist Dampf, der vom Kompost aufsteigt. Regelmäßiges Umsetzen beschleunigt und harmonisiert die Rotte, indem man trockene Randbereiche ins Innere bringt und feuchtes Material nach außen verlagert. Wenn der Kompost zu trocken ist, sollte er bewässert werden. Der optimale Feuchtigkeitsgrad wird erreicht, wenn sich das Material feucht, aber nicht nass anfühlt. Zu viel Wasser führt zu Sauerstoffmangel und Fäulnis, erkennbar an unangenehmen Gerüchen.
Zersetzung verschiedener Materialien
Verschiedene organische Materialien zersetzen sich unterschiedlich schnell. Kompost mit hohem Anteil an schwer abbaubaren Stoffen muss häufiger umgesetzt werden. Schwer verrottbares Laub, etwa von Eichen und Walnüssen, kann separat in einem Stoffsack kompostiert werden und benötigt mindestens zwei Jahre. Im Gegensatz dazu zersetzt sich Laub von dünnblättrigen Bäumen wie Buchen, Hainbuchen oder Birken schneller und kann separat kompostiert werden, um eine feine Basis für Vermehrungssubstrate zu erhalten.



