Seidenraupenbaum Maclura tricuspidata Syn. Cudrania tricuspidata - Allgemeines

Der Seidenraupenbaum, auch als „Che“ oder „Mandarin Melonberry“ bekannt, stammt ursprünglich aus Ostasien, insbesondere aus China, Korea und Teilen des Himalayas. Er gehört zur Familie der Maulbeergewächse (Moraceae) und ist eng verwandt mit dem Osagedorn (Maclura pomifera) und der Maulbeere (Morus). Traditionell wurde er in China und Nepal als Ersatzfutterpflanze für die Seidenraupenzucht genutzt, wenn nicht genug Maulbeere verfügbar war – daher der Name.

Wuchs und Endgröße

Der Seidenraupenbaum wächst als mittelgroßer, stark verzweigter Strauch oder kleiner Baum. Je nach Schnitt und Standort erreicht er eine Höhe von 3 bis 6 Metern, in seltenen Fällen bis 9 Meter, und eine Breite von 4 bis 7 Metern. Die Krone ist dicht und rundlich. Junge Pflanzen wachsen zunächst langsam, entwickeln aber später einen kräftigen Aufbau.

Winterhärte des Cudrania

Die Winterhärte ist gut: Je nach Sorte und Veredelungsunterlage vertragen Seidenraupenbäume Temperaturen von –20 °C bis –28 °C. Spätfröste sind in der Regel kein Problem, da Austrieb und Blüte sehr spät erfolgen (Ende Mai bis Juni).

Bodenansprüche

Der Seidenraupenbaum ist anpassungsfähig und gedeiht auf lehmigen bis sandigen, gut durchlässigen Böden. Staunässe sollte unbedingt vermieden werden. In längeren Trockenperioden ist eine Bewässerung sinnvoll, vor allem bei jungen Pflanzen.

Veredelung und Wurzelunterlage

Die meisten Sorten sind auf Maclura pomifera (Osagedorn) veredelt, um die Wuchsleistung und Robustheit zu erhöhen. Der Wurzelstock ist flach bis mitteltief, daher sind lockere, gut durchlässige Böden wichtig.

Blüte und Bestäubung

Seidenraupenbäume sind zweihäusig, das heißt, es gibt männliche und weibliche Pflanzen.

  • Weibliche Sorten bilden Früchte. Einige Sorten sind parthenokarp (fruchten ohne Befruchtung)
  • Männliche Pflanzen dienen ausschließlich als Bestäuber. Sie bilden keine oder nur wenige ungenießbare Früchte
Die Blütezeit liegt spät (Ende Mai bis Juni). Bei Anwesenheit eines männlichen Bestäubers sind die Früchte größer und zahlreicher, aber parthenokarpe Sorten tragen auch allein zuverlässig.

Früchte

Die Frucht ist eine Sammelsteinfrucht, ähnlich einer Himbeere, aber rund und noppig wie eine kleine Maulbeere. Die Farbe reicht von leuchtend orange über rötlich bis dunkelrot. Das Fruchtfleisch ist saftig und tiefrot. Der Geschmack erinnert an eine Mischung aus Feige, Wassermelone und Zuckermaulbeere – süß, leicht wässrig, angenehm frisch. Reifezeit ist in Mitteleuropa von Ende August bis Oktober.

Lagerung und Verwendung

Die Früchte sind sehr druckempfindlich und nur wenige Tage im Kühlschrank haltbar. Sie eignen sich hervorragend für Frischverzehr, Marmeladen oder Nektar.

Krankheiten und Schädlinge

Der Seidenraupenbaum gilt als ausgesprochen robust. Weder relevante Krankheiten noch bedeutende Schädlinge sind bekannt. Lediglich Vögel können an reifen Früchten naschen.

Wichtige Seidenraupenbaum Sorten und ihre Unterschiede

1. Norris
  • Weibliche Sorte, entdeckt in den USA (Tennessee, 1930)
  • Wuchs: mittelstark bis stark, bis ca. 9 m hoch und 7 m breit
  • Frucht: Sammelsteinfrüchte, 1,5–2,5 cm, dunkelrot bis braunrot, kernlos bei fehlender Bestäubung
  • Geschmack: Wassermelonenartig, süß und mild
  • Reifezeit: Ende Juli bis Anfang August (früh)
  • Bestäubung: Selbstfruchtbar, größere Ernte mit männlichem Bestäuber
2. Seedless (kernlose Form)
  • Weibliche Sorte, parthenokarp (trägt ohne Bestäuber)
  • Wuchs: kompakt bis mittelstark, ca. 3–4,5 m hoch, sehr gut schnittverträglich
  • Frucht: Orange bis orange-braun, kernlos, 1,5–3 cm groß
  • Geschmack: Feigen- oder Melonenartig, süß, leicht wässrig
  • Reifezeit: September bis November (spät)
  • Ideal für kleinere Gärten, da leichter zu kontrollieren
3. Parthenos
  • Weibliche Sorte, ebenfalls parthenokarp
  • Wuchs und Eigenschaften ähnlich wie Seedless, jedoch etwas kräftiger im Trieb und mit größeren Früchten
  • Frucht: dunkelrot, saftig
  • Reife: Spätherbst
4. Männlicher Bestäuber (Che)
  • Rein männliche Pflanze, wichtig für die Befruchtung von Norris und ähnlichen Sorten (nicht notwendig bei parthenokarpen Sorten)
  • Wuchs: stark, bis 5 m hoch, 4 m breit
  • Bildet meist keine Früchte, höchstens kleine, ungenießbare

Fazit

Der Seidenraupenbaum ist eine exotische, aber robuste und pflegeleichte Fruchtpflanze für Gärten und Permakulturanlagen. Er punktet mit außergewöhnlichen Früchten, hoher Winterhärte und geringer Anfälligkeit für Krankheiten. Für Hobbygärtner sind vor allem parthenokarpe Sorten wie „Seedless“ oder „Parthenos“ interessant, da sie keinen männlichen Bestäuber benötigen. Wer größere Früchte und höhere Erträge anstrebt, sollte zusätzlich eine männliche Pflanze wie den Bestäuber-Che setzen.